Das neue und schnelle CLIP-Verfahren

Heute kommerzielle 3D-Drucker kranken oftmals an dem Problem, dass das Druckverfahren noch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Bis ein bestimmtes Bauteil fertiggestellt ist, können mehrere Stunden oder gar Tage vergehen. Sicherlich ist die Zeitspanne immer noch als kürzer zu betrachten als die Anlieferung von einem Hersteller, doch wenn es nach dem Unternehmen Carbon 3D geht, dann wird es mit der CLIP-Technologie bald möglich sein, wesentlich schneller zum Ergebnis zu kommen.

Rapide Fortschritte

Es war etwa vor einem Jahr, als das damalige Start-up die Continuous Liquid Interface Production (CLIP) zum ersten Mal vorstellte. Nun ist man hier bereit den nächsten Schritt zu unternehmen, denn mit der Fertigstellung des M1-Druckers sollen auf Basis eines Abonnement-Systems, die ersten Geräte an Firmen ausgeliefert werden. Diese sollen bis zu 25 bis 100 Mal schneller drucken als die bisherigen Maschinen.

Carbon 3D setzt dabei auf eine vollständige Vernetzung, denn alle Drucker werden permanent mit dem Internet verbunden sein. Die so gesammelten Daten können für Diagnosen und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems genutzt werden. Auch für die einsetzenden Firmen wird alles ganz einfach gestaltet. Alle Funktionen werden direkt über eine browserbasierte Benutzeroberfläche angesprochen, sodass keine zusätzliche Software installiert werden muss.

Bild: http://carbon3d.com/
Bild: http://carbon3d.com/

Das Geheimnis dahinter

Das Clipverfahren ist deshalb so revolutionär, weil es einen unglaublich schnellen Aufbau von Strukturen erlaubt. Aus einem flüssigen Kunststoffbad erhebt sich das Druck-Erzeugnis wie ein Phönix aus der Asche. Das Grundprinzip des schichtweisen Aufbaus wird beim Clip-Verfahren ausgehebelt, sodass die Oberflächenstruktur sehr viel feiner und sauberer ausfällt, als bei bisherigen 3D-Druckverfahren.

Möglich wird das durch die Photopolymerisation. Bei dem Prozess wird das Aushärten des Kunststoffes durch UV-Licht und Sauerstoff verhindert, sodass das Objekt in der sogenannten Dead-Zone weiter aufgebaut werden kann. Zu dem Zweck verfügt der Tank, in dem sich der Kunststoff befindet, über einen für Licht und Sauerstoff durchlässigen Boden. Durch eine spezielle Software wird der gesamte Prozess gesteuert, sodass nur die Bereiche aushärten, die tatsächlich zum Objekt gehören. Hierdurch entstehen keine sichtbaren Schichten mehr, was auch die Stabilität um ein enormes Maß erhöht.

Der Weg ist bereitet

Dass das neue Verfahren regen Anklang findet, zeigt bereits die Tatsache, dass Carbon 3D erst kürzlich zwei neue Partner für sein Projekt gewinnen konnte. Einer von ihnen ist Sculpteo – ein Online-Dienstleister – welcher sich einen Namen durch das Herstellen von lebensechten 3D-Abbildern von Menschen machte. Nun wird auch bei dem Unternehmen das CLIP-Verfahren zur Anwendung kommen. Hierdurch werden die Oberflächen noch feiner und die Skulpturen noch lebensechter gestaltet werden können.

Neben dieser, eher zum Spaß der Nutzer gedachten Anwendung, haben natürlich auch die Hersteller von Maschinen und speziellen Bauteilen reges Interesse an der Technologie. Fertigungsprozesse könnten vereinfacht werden, die heute noch eine Menge Zeit in Anspruch nehmen und zudem horrende Summen bei der Produktion verschlingen. Erste Automobilhersteller haben ebenfalls das CLIP-Verfahren in Verwendung, denn Komponenten, die eine sehr genaue Passform benötigen, lassen sich auf die Weise einfach günstiger konstruieren.

Die Zukunft ist CLIP

Wenn sich der derzeitige Entwicklungsprozess so fortsetzt wie bisher, so könnte es geschehen, dass in Zukunft viele Produkte ihren Ursprung in einem 3D-Drucker mit CLIP-Verfahren haben werden. Das gilt auch für normale Haushaltsgeräte und viele Kunststofferzeugnisse. Im Übrigen spart die Methode sogar Ressourcen, denn die benötigte Materialmenge beschränkt sich stets exakt auf die Größe des jeweiligen Objektes. Es wird also nie mehr Kunststoff verbraucht, als tatsächlich erforderlich ist.

Comments are closed.