Steinzeitliche Kunst so detailgetreu und nah wie noch nie

Am 12. September 1940 wurde die Höhle von Lascaux von einigen jungen Männern entdeckt. Bereits im selben Monat folgte die erste wissenschaftliche Beschreibung von Henri Breuil, nach welcher die Kunstwerke der Höhle ins Périgordien datiert wurden. Erst 1948, acht Jahre später, wurde die Höhle der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Hierzu schachtete man den Boden aus und senkte ihn ab, installierte eine elektrische Beleuchtung, baute eine Treppe eine und setzt eine schwere Tür an den Eingang, wodurch das Höhlenklima nicht allzu stark destabilisiert werden sollte. Pro Tag fanden sich seitdem ca. 1.200 Besucher ein und beschädigten die Bilder allein durch ihre Atemluft erheblich. Organische Substanzen und Kondenswasser führten bald zur Bildung von Schimmel, weshalb die Höhle im Jahr 1963 wieder geschlossen und mit aufwendigen Klima- und Belüftungsregulierungssystemen versehen wurde. Ebenso wurden die Bilder restauriert. Damit Menschen trotzdem die Gelegenheit haben, die Höhle von Lascaux zu begutachten, hat man sie mittels 3D-Scan originalgetreu nachgebaut.

Über 2.000 Malereien an den Höhlenwänden

Als Ersatz für die zahlreichen Fans aus aller Welt sollte die 1983 entworfene Lascaux II dienen. Diese Kunsthöhle befindet sich bloß 200 Meter neben den originalen Kalksteinen. Doch auch sie gelangte schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, weil Pilzbefall drohte. Immerhin wurden fast 10 Millionen Besucher innerhalb von 30 Jahren durch das Duplikat geschleust worden, in der sich rund 90 Prozent der ursprünglichen Tierbilder befinden. Lascaux II wurde unter Denkmalschutz gestellt und dient nur noch sporadisch für Kunstschulklassen und Privatführungen als Besichtigungsobjekt. Anders ist die Lascaux III organisiert, da es sich bei ihr um eine mobile und multimediale Ausstellung handelt, die seit 2012 um die Welt zieht. Und nun wurde die vierte Replik eröffnet, Lascaux IV. Zwar geschah das mit einer Verzögerung, weil es Streit bei der Finanzierung gab. Zudem war sie eine immense Herausforderung für Techniker, Künstler und Logistiker. In nur 36 Monaten mussten die 900 Quadratmeter der Wände und Decken mit Maßstab 1:1 nachgebaut werden.

3D-Animation dank präziser Scan-Technologie

Dabei arbeiteten die Techniker mithilfe von Taglampen. Zum Anmischen der Farben dienten den Künstlern der Vorzeit natürlich vorkommende Pigmente. Diese trug man direkt mit den Fingern, Handflächen oder Moosbüscheln auf. Heute kann man alles in digitalisierter Form betrachten. Fast 60 Minuten dauert die Führung durch die Höhle. Im Anschluss geht es zu einem Patio, wo es allgemeine Informationen zur Steinzeit und deren Bewohnern gibt. Ebenso wird dort erklärt, wie die Arbeit von Archäologen und Prähistorikern verläuft und wie sie sich in den vergangenen 200 Jahren verändert hat. Zum Schluss betritt man ein 3D-Kino, wo die Lascaux-Originalhöhe auf zwei Großbildschirmen live erlebbar wird. Hinzu kommen Filmsequenzen aus weiteren berühmten Höhlen der Erde. Den letzten Saal der Führung bezeichnet man als „Galerie des Imaginären“. Er beschäftigt sich mit der Theorie und dem Wesen der Höhlenkunst und lässt die Besucher auf 90 Bildschirmen bedeutende Kunstwerke Europas ansehen.

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