Was Anwender bei Nachbauten aus dem 3D-Drucker beachten sollten

Was der 3D-Druck verspricht, scheint genial: Ob fehlende Ersatzteile, defekte Schraubgelenke oder die begehrte Designerbrille, die einfach zu teuer ist – mit einem 3D-Drucker kann alles individuell und umgehend angefertigt werden. Jeder wird zum Produzenten. 3D-Drucker und die zugehörigen Materialien sind allen zugänglich, sofern man das nötige Kleingeld investieren will. Parallel dazu wächst die Anzahl der Plattformen im Internet, auf den Tüftler Vorlagen für 3D-Druckerzeugnisse erwerben und tauschen können. Und selbst, wenn sich viele sich einen solchen Drucker noch nicht leisten kann, besteht die Möglichkeit, die Werkstücke auf Anfrage von einem Dienstleister fertigen zu lassen.

Dass hieraus nicht nur Vorteile erwachsen, hat die erste Schusswaffe verdeutlicht, die voll funktionsfähig aus einem 3D-Drucker kam. Auch im „friedlichen“ Bereich kollidieren manche 3D-Drucke mit bestehendem Recht. Denn ähnlich wie beim Filesharing von Filmen und Musik kann es passieren, dass die Rechte Dritter betroffen sind, was nicht nur zu einer Abmahnung, sondern zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen führen kann. Gemeint sind nicht nur Nachbauten von außergewöhnlichen Kunstwerken, ebenso betrifft das Reproduktionen wenig scheinbarer Gegenstände.

Rechtliche Aspekte: Noch gibt es keine Präzedenzfälle

Obwohl viele Konflikte mit Rechtsinhabern zu erwarten waren, kam es bislang nur zu drei Abmahnungen aufgrund eines 3D-Drucks. Es könnte sich um die Ruhe vor dem Sturm handeln. Dafür spräche, dass sich Gerichte bisher nicht näher mit der Technik auseinandergesetzt haben, sodass keine Rechtsprechung für solche Fälle vorliegt. Es existieren außerdem keine konkreten Gesetze, die den 3D-Druck in seiner Besonderheit aufgreifen würden. Gleichzeitig gibt es reichlich potenziellen Zündstoff, weshalb es wichtig ist, sich mit den wesentlichen, rechtlichen Dingen rund um den 3D-Druck einmal zu beschäftigen.

Knifflig wird es beispielsweise beim Reproduzieren von Gegenständen, die man gar nicht erst mit irgendjemandes Rechten verbindet. So kann auch Alltägliches mit gewerblichen Schutzrechten zusammenprallen. Ob eine Rechtsverletzung besteht, hängt vorrangig davon ab, wie das gedruckte Objekt benutzt werden soll. Bei Eigenbedarf ist man auf der sicheren Seite, kritisch wird es, sobald der Privatbereich überschritten wird.

Kunstwerke werden für die Nachwelt erhalten

Mithilfe der 3D-Druck-Technologie können Kunstschätze konserviert werden. Selbst wenn sie nicht mehr im Original vorliegen, existiert immer noch die Kopie. Kritiker sagen, dadurch ginge die Einzigartigkeit kaputt. Doch das stimmt nur zum Teil. Denn ist das Original erhalten, strahlt es immer noch eine andere Aura aus, während die digitale Kopie vor allem einen Vorteil für die Wissenschaft bietet. Auch die Büste der Nofretete wurde auf diese Weise für die Ewigkeit konserviert. 3D-Druckexperten schoben sie unter zwei Scanbögen auf ein Fließband, wo sie immer wieder kurz in verschiedenen Positionen stoppte, um aus allen Winkeln gescannt zu werden. Nach diesem Verfahren wurden alle Kombinationen abgefahren, sodass die Forscher eine Bildermenge erhielten, mit der sie die optischen Materialeigenschaften des Objekts genau kannten. So ließen sich auch die Zusammensetzungen von Mineralien reproduzieren, durch die das Licht unterhalb der Oberfläche verschiedenartig gebrochen wurde. Der aktuelle Druck der Nofretete hat 500.000 Euro gekostet und wurde vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Für die Zukunft gehen die Forscher davon aus, dass die Kosten minimiert werden können, sobald der Scanner in Serienproduktion geht.

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